Eine kurze Übernachtung auf unserer Reise ist in Koszalin vorgesehen. Die 40 Kilometer mit dem Auto aus Kołobrzeg sind dann auch schnell hinter uns gebracht. Dabei stellen wir fest, dass die Stadt einen guten Ausgangspunkt für Ausflüge bietet und vor allen Dingen schön verkehrsgünstig angebunden ist. Da Koszalin fast genau zwischen Szczecin und Gdańsk liegt, können wir also ruhigen Gewissens am nächsten Tag ausschlafen: Unsere folgenden Ziele sind rein kilometermäßig nicht so weit entfernt.

Koszalin (Köslin) ist keine Touristenstadt

Bild Koszalin Koszalin ist keine Touristenstadt, auch wenn die Internetseite der Stadt anderes verkündet. Das ist aber nicht schlimm, denn es gibt andere Sehenswürdigkeiten: Die Wirtschaft boomt hier - sicher auch der Lage wegen - und die Universität hat einen guten Ruf. Beides sorgt dafür, dass man sich in den Kneipen, Cafés und Restaurants in zuweilen fast zu reger Gesellschaft befindet. Man kann darüber streiten, ob das Denkmal an der Universität schön ist oder nicht - es stellt herauf- oder herabrollende Streitwagen symbolisch dar. Jedenfalls haben wir das so interpretiert. Man kann aber nicht darüber streiten, dass Koszalin noch recht intensiven sozialistischen Charme versprüht. Und das ist durchaus positiv gemeint: Die allgegenwärtigen Plattenbauten «leben» hier, sind nicht zu verkommenenen Ruinen verfallen.

100.000 Einwohner soll Koszalin haben. Uns kommt es mehr vor; die Stadt wirkt größer. Das kann auch daran liegen, dass wir uns auch hier verfahren. Oder daran, dass man in der Stadt so viele unterschiedliche Menschen trifft: Sich einfach hinzusetzen und zu beobachten macht Spaß. Allerdings: Altstadt gibt es nicht, hier gibt es dafür gleich mehrere Ursachen in der Geschichte. Im Dreißigjährigen Krieg, so weiß unser Reiseführer, ließ Friedrich Wilhelm II die Stadt komplett niederbrennen. Im Zweiten Weltkrieg kam es dann noch einmal zu großen Zerstörungen.

Rathaus und Kirche von Koszalin (Köslin)

Etwas Historie lässt uns der Reiseführer dann doch noch finden: Rund um das Rathaus gibt es zum einen die Marienkirche (Kościół N. P. Marii) zu sehen, die besonders von innen mit Ihren drei Schiffen beeindruckend wirkt. Die Orgel können wir leider nicht hören, obwohl sie uns als besonders hörenswert angepriesen wurde. Zum anderen steht in diesem Bereich auch die Gertrudenkapelle, die mit Ihrem Baujahr 1383 wohl das älteste Gebäude ist. Das Rathaus dagegen repräsentiert sozialistisches Flair; wir mögen es gerade deswegen.

Wir gehen dann schlafen, weisen hier aber trotzdem noch darauf hin, dass Koszalin - so haben uns unsere Gastgeber glaubwürdig versichert - eine hohe Lebensqualität bietet. Sicher, wer einen Urlaub am Meer verbringen möchte, ist hier nicht ganz am richtigen Platz, obwohl das Meer nur sechs Kilometer Luftlinie entfernt ist. Mielno, der jugendliche Strandort, ist nicht weit entfernt. Aber wer ein bisschen in der Gegend herumfahren möchte, Wandern möchte, gern ins Theater geht oder auf der Durchreise ist - ein Stopp lohnt allemal. Ans Herz gelegt wurde uns noch, nach Góra Chełmska (Gollenberg) zu wandern: Dort gibt es eine beliebte Marienwallfahrtsstätte mit einem offensichtlich empfehlenswerten Ausblick. Obwohl wir katholisch sind, verzichten wir am nächsten Morgen darauf und fahren gleich weiter.

Fazit

Koszalin ist eine Stadt, die typisch sein dürfte: Auf den ersten Blick handelt es sich um eine eher «graue» Industrie- und Arbeitsstadt. Schaut man jedoch ein wenig genauer hin, eröffnen sich ganz neue Blickwinkel: Zum Beispiel die teilweise wunderschönen Häuser, die scheinbar nur auf ihr neues Leben warten. Man kann sich gut vorstellen, wie nach etwas Renovierung hier eine sehr schöne Stadt stehen würde. Selbst die «sozialistischen Bausünden» empfindet man nicht als störend; manche sind unseres Erachtens heute schon wieder denkmaltauglich.

So bleibt es dem Besucher überlassen, ein wenig genauer hinzusehen, und die feinen, kleinen, oft verdeckten Schönheiten der Stadt zu entdecken. Allerdings: Gebäude wie das der Post oder mancher Behörden lassen schon heute erahnen, wie die Stadt in wenigen Jahren aussehen könnte.

Infos, Tipps, Adressen

Tourismusinformation (Turysta)
Ul. Andersa 2
75-007 Koszalin
Telefon 094 3424511
  www.koszalin.pl (Auch Deutsch)

Anreise mit dem Auto
Koszalin ist verkehrsmäßig mit guten Straßen bestens angebunden. Parken ist auch kein Problem, bewachte Parkplätze sind ausgeschildert und sogar über die Internetseite der Stadt abrufbar.
Anreise mit dem Flugzeug
Es gibt keinen größeren Flughafen in der Nähe, die nächsten sind Goleniow und Gdańsk (Danzig).
Anreise mit dem Bus
Zahlreiche Busse fahren nach Koszalin. Die Fernbusse halten in der Regel auch hier. Und: Der Bushalteplatz ist befindet sich am Bahnhof. Regionalbusse fahren regelmäßig ans Meer.
Anreise mit der Bahn
Die Bahnverbindungen nach Szczecin, Gdańsk, Kołobrzeg, Słupsk und Poznań sind gut. Vom Bahnhof ist es ein Zehn-Minuten-Weg in die Stadt.

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