Die berühmte polnische Gastfreundschaft ist auf dem Land stärker ausgeprägt, in den Städten wird sie nicht mehr immer so stark hervorgehoben. Diese Pauschalisierung trifft natürlich nicht generell zu, sondern als Tendenz. Ist man in Polen zu Gast, wird zum Beispiel oft sehr viel zu Essen angeboten. Hier grundsätzlich abzulehnen, kommt nicht gut an. Einiges zu essen ist durchaus erlaubt, das höfliche Dokumentieren, dass es schmeckt, ebenso. Allerdings: Die Gastfreundschaft sollte keinesfalls ausgenutzt werden, nur «Durchessen» gehört sich natürlich nicht. Ein wenig Alkohol auf Nachfrage mitzutrinken, ist selbstverständlich in Ordnung. Hemmungsloses Betrinken gehört sich ja eigentlich nicht einmal im engeren Freundeskreis; aber das ist ja auch nichts Neues. Einmal ganz abgesehen von den gesundheitlichen Aspekten und dem Kopfschmerz-Effekt am nächsten Morgen. Das angebotene Gläschen Wodka abzulehnen, ist in Ordnung; die Gastgeber freuen sich aber, wenn man zumindest ein wenig davon trinkt.

Gastgeschenke werden zu Besuchen mitgebracht. Dies müssen keine teuren Dinge sein, aber Blumen oder Pralinen kommen immer gut an. Bei Blumen beachten viele, dass eine ungerade Zahl von Blumen übergeben wird, da eine gerade Zahl von Blumen Unglück bringen soll. Was die Pünktlichkeit anbetrifft, so ist eine Toleranzzeit von einer Viertelstunde üblich: Keinesfalls sollte man vor der verabredeten Zeit eintreffen, bis fünfzehn Minuten später ist es - je nach Anlass - akzeptabel. Generell gilt: Am besten pünktlich sein.

Die berühmte polnische Gastfreundschaft werden Sie an vielen Stellen kennenlernen. Ob es darum geht, dass Ihnen immer noch zu Essen angeboten wird, auch wenn Sie schon lange satt sind. Oder ob die Familie, bei der Sie wohnen, für Sie in ein anderes Zimmer umzieht, damit Sie das «gute Bett» bekommen. Oder ob Sie oft das ehrliche Gefühl haben werden, dass man Sie wirklich gern als Gast hat.

Die Gastfreundschaft bringt jedoch ein Problem mit sich: Man kann sich schnell daran gewöhnen und niemand in Polen mag es, wenn die Gastfreundschaft ausgenutzt wird. Es gibt Grenzen, und die sind ganz einfach dort, wo es Ihnen der gesunde Menschenverstand sagt. Es gibt hierfür natürlich keine «Goldene Regel». Wenn Sie sich fragen, ob es beispielsweise in Ordnung ist, dass Sie jeden Abend von Ihrem Gastgeber zum Essen eingeladen werden, überlegen Sie sich einfach, wie Sie sonst auf diese Einladung reagieren würden. Sie würden sich doch beispielsweise in der Pension in, sagen wir einmal Nordhorn, auch nicht jeden Abend vom Pensionswirt bewirten lassen, wenn Sie das nicht so gebucht haben? So, wie es sich hier auch gehört, sich für die Gastfreundschaft zu revanchieren, so ist es auch in Polen.

Lassen Sie sich nicht verleiten, in die Privatsphäre Ihrer Gastgeber einzudringen. Versuchen Sie, das Verhältnis von Geben und Nehmen ausgewogen zu gestalten - dann kann wenig schiefgehen. Und: Wenn Sie merken, dass es zu Irritationen gekommen ist, hilft es meist wenig, das anzusprechen: In Polen würden die wenigsten Menschen sagen, dass Sie sich ausgenutzt fühlen. Reagieren Sie eher mit einer Einladung, mit einem Gegenangebot, so dass Ihr Gegenüber sozusagen eine Gegenleistung erhält.
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